Energiespar-Öfen für den Distrikt Moshi

Seit 2013 besteht eine Partnerschaft zwischen der Landeshauptstadt Kiel und dem Distrikt Moshi Rural in Tansania. Nun soll im Rahmen dieser Partnerschaft ein erstes konkretes Projekt realisiert werden: die Umsetzung und Verstärkung der Verwendung von Energiespar-Öfen im Distrikt Moshi. Der RAFIKI e.V. ist mit der Umsetzung betraut worden.

Die Menschen am Kilimanjaro kochen nach wie vor sehr traditionell: Sie kochen im Freien über offenem Feuer, in der Regenzeit verlagern sie die Feuerstelle unter ein Dach oder ins Haus.

Das ist aufgrund der Rauchentwicklung eine Beeinträchtigung der Gesundheit, vor allem, wenn innerhalb eines Gebäudes gekocht wird. Zum anderen hat das einen enormen Bedarf an Feuerholz zur Folge. Dieser kann in Folge des starken Bevölkerungswachstums längst nicht mehr abgedeckt werden. Also werden die eigentlich dringend als Schattenspender benötigten Bäume auf den Farmen gefällt bzw. wächst der Druck auf die Schutzgebiete. Diese Rodungen haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass die Hänge des Kilimanjaro mittlerweile nahezu vollständig von der Sonne beschienen werden. Durch den Anbau von Mais kommt es zudem zu einer irreparablen Verschlechterung der Bodenqualität. Erosionen während der Regenzeit sind die Konsequenz. Mittlerweile sind schon ganze Hänge abgebrochen und es hat Opfer gegeben. Dies wiederum hat die Regierung dazu veranlasst, das Fällen von Bäumen zu unterbinden, doch der Bedarf ist weiterhin vorhanden. Also werden die noch vorhandenen Bäume „skelettiert“, d.h. alle Äste abgeschlagen, sodass man Feuerholz erhält und der Baum formal noch steht.

Die Situation ist dramatisch, Holz ist mittlerweile so teuer, dass beispielsweise Stühle günstiger aus Metall gefertigt werden als aus Holz. Vielerorts werden massiv Wiederaufforstungsprogramme gestartet, auch RAFIKI beteiligt sich mit dem Programm „Ein Baum für jeden Schüler“ daran. Doch die jungen Bäume brauchen viel Zeit zu wachsen, vertrocknen oder werden von Ziegen abgefressen.

Parallel zur dringenden Notwendigkeit, neue Bäume zu pflanzen, ist daher auch der Bedarf an alternativen, ressourcensparenden und gesundheitsfreundlichen Kochmöglichkeiten groß.

Die Umsetzung

Unser erklärtes Ziel ist es, diese Öfen über die in der Region um Mrimbo in der dortigen Bevölkerung bekannt zu machen. Dies geschieht dadurch, dass verschiedene Modelle von Energiesparöfen an der Schule ausgestellt und demonstriert werden, dass die Schülerinnen und Schüler im Rahmen ihres Unterrichts an der KIUMAKO mit der Thematik vertraut gemacht werden und nicht zuletzt dadurch, dass an der KIUMAKO selbst eine solche Technik zum Einsatz kommt.

In der letzten Zeit haben wir immer wieder Gelegenheiten wahrgenommen, uns vor Ort auf Seminaren nach dem vorhandenen Stand der Technik zu erkundigen. So haben kürzlich zwei unserer Mitglieder ein entsprechendes Seminar bei Artefact in Glücksburg besucht und ein hochwertiges, von Ingenieuren entwickeltes Energiesparofen-Modell aus Edelstahl kennen gelernt, das ursprünglich für den Einsatz in Südafrika entwickelt worden ist.

Diese Öfen haben wichtige Vorteile: Sie brauchen deutlich weniger Holz und belasten zudem durch ein ausgeklügeltes Entlüftungssystem die Gesundheit der Benutzer viel weniger. Diese Energiesparöfen werden bald  in größerer Anzahl zum Einsatz gebracht.

Die Familien rund um den Kilimanjaro leben unter sehr einfachen Bedingungen, da sie praktisch keine Chance haben, mit landwirtschaftlichen Produkten ökonomisch erfolgreich zu sein. Sowohl für das Exportgut Kaffee als auch für Bananen und Gemüse bekommen sie so extrem wenig Geld, dass ein Monatseinkommen, das eine angemessene Entwicklung der Familie ermöglicht (Schulbildung, Kleidung, Gesundheitsversorgung etc.), unmöglich zu erreichen ist. Das bedeutet, dass die Kenntnisse über Energiesparöfen alleine noch nicht ausreichen, um zu einer Veränderung des Alltagslebens zu kommen, denn diese Öfen kosten etwa 50,00 €, was das gesamte Monatseinkommen vieler Familien überschreitet.

Wir werden daher 100 Energiespar-Öfen anschaffen und verteilen. Die Verteilung werden wir zu einem über die Kirchengemeinden an bedürftige Familien vornehmen lassen. An den Anschaffungskosten wird sich auch die Stadt Kiel beteiligen.

Das Projekt wird zu anderem auch als Bildungsprojekt an der KIUMAKO umgesetzt. Schülerinnen und Schüler werden sich mit den Techniken vertraut machen, eine Ausstellung soll die Öfen präsentieren und der Bevölkerung die Vorteile des jeweiligen Ofens näher bringen bzw. auch gleich den Bedarf der KIUMAKO decken. Die Modellreihe wird Öfen umfassen, die mit weniger Holz auskommen bzw. sogar Abfälle verwerten können. Über die KIUMAKO wird dann neben der Wissensvermittlung an die dortigen Schülerinnen und Schüler auch Fortbildungen für interessierte Erwachsene angeboten. Außerdem werden über andere Gemeinden des Distrikts kostenlose Fortbildungen angeboten.

Die Schülerinnen und Schüler der KIUMAKO können ihr erlangtes an Schülerinnen und Schüler anderer Schulen in der Region weitergeben. Ein wichtiges Ziel dieses Projektes ist es, die junge Generation mitzunehmen, ihnen diese Techniken zu erläutern und damit die Weichen für Verhaltensänderungen in der Zukunft zu stellen.

Diese Vorgehensweise haben wir bei Besuchen in Tansania sehr intensiv mit verschiedenen Kirchen- und Regierungsvertretern diskutiert und abgestimmt.

Flankiert wird das Projekt wie bereits erwähnt mit der Wiederaufforstungsaktion „Ein Baum für jeden Schüler“. Für jeden Schüler an der KIUMAKO wird bereits seit Jahren ein Baum gepflanzt. Im Rahmen dieses Projektes wird dies ausgebaut werden, sodass zum einen durch weitere Aufforstungen der Baumbestand – und alle damit verbundenen positiven Folgen -  wieder zunehmen kann und zum anderen die Bedeutung der Wälder im Rahmen einer Bildung für Nachhaltigkeit Unterrichtsgegenstand an der KIUMAKO werden wird.